Nachdem Hartmut und Daniel dem überfahrenen Nutria das Fell abgezogen hatten, wurde es mir schließlich doch zur Weiterverarbeitung übergeben. Der Lehrer soll ja auch ein Projekt haben. Insgeheim wollte ich schon immer mal gerben.
Fleisch- und Fettreste entfernte mit einem stumpfen Zieheisen. Als Arbeitstisch nutzte ich das Shavehorse vom Grünholzwerken. Die Holzteile bedeckte ich mit einem Müllsack.

Das Schaben war körperlich so anstrengend wie Holzarbeiten am Shavehorse. Auf den richtigen Druck und den Winkel der Klingenführung kam es an. Sobald man zu viel wollte, war ein Loch in der dünnen Haut. Drei bis vier Stunden verteilt auf zwei Tage dauerte dieser Schritt. Am besten ließ sich die große Fläche in der Mitte des Fells bearbeiten. Die Ränder waren nicht so einfach zu schaben, denn das geschmeidige Fell rutschte häufig aus der Klemmvorrichtung.
Für die eigentliche Gerbung gibt es viele Methoden und Anleitungen. Es sollte eine natürliche Gerbung sein. Die mit Hirn und Rauch klang recht aufwändig. So entschied ich mich für die vegetabile Gerbung mit Gerbsäuren, sogenannten Tanninen, aus Baumrinde. Ich fand heraus, dass Eiche und Weide mit bis zu 20% den höchsten Gerbstoffgehalt unserer heimischen Bäume aufweisen.

Abgeschnittene Weide lag noch am Häkselplatz im Garten. Diese zerkleinerte ich für den Kochtopf. Das Ganze kochte ich ein Mal auf und ließ es dann lange wie einen Tee ziehen. Der Gerbtee hatte die gewünschte rötlich braune Farbe und duftete blumig süß und harzig. Ich filterte den Sud und weichte das Fell darin ein. Dort würde es die nächsten Tage unter regelmäßigem Rühren verbleiben. Die Wirkung der Tannine auf das Kollagen der Haut ist wohl noch nicht bis ins Detail geklärt. Dass sich die Haut verändert, sah ich allerdings recht bald.
Am Ende verblieb das Fell ganze 3 Wochen im Sud. Die Haut hatte die Tannine gut angenommen und sich wie erwartet verfärbt. Der Sud hingegen wurde immer heller.
Nach dem Auswringen spannte ich das Fell auf eine alte Palette. Und siehe da, die ersten getrockneten Stellen sahen tatsächlich wie eine Art Wildleder aus. Allerdings war das Fell nun recht steif und sollte eigentlich auf der Hautseite geölt werden. Diesen Schritt werde ich später erledigen.
Jedenfalls bin ich begeistert, wie gut die pflanzlichen Gerbstoffe funktioniert haben. AP








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