Tag 1 – Der Start unseres Hochbeetprojekts: Warum säen wir überhaupt?
Heute beginnt unser Hochbeetprojekt. Bevor wir jedoch die ersten Samen in die Erde legen, möchte ich gemeinsam mit den Kindern überlegen, warum wir überhaupt säen und was später aus einem kleinen Samen entstehen kann.
Ich merke dabei auch, dass ich selbst noch nicht viel Erfahrung mit diesem Thema habe. Deshalb lese ich mich im Vorfeld ein und informiere mich über Pflanzenwachstum, Hochbeete und Heilkräuter. Mir wird schnell klar, dass ich den Kindern nicht nur Wissen vermitteln möchte, sondern dass wir gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen. Ich darf dabei genauso lernen wie die Kinder. Zum Einstieg stelle ich die Frage: „Warum säen wir eigentlich?“ Sofort entstehen spannende Gespräche. Die Kinder erzählen von Gärten zu Hause oder von Gemüse, das sie gerne essen. Andere überlegen laut, wie aus einem winzigen Samen überhaupt eine große Pflanze wachsen kann. Es kommen viele Fragen auf: „Woher kommt der Samen?“, „Braucht jede Pflanze gleich viel Wasser?“, „Was passiert, wenn wir das Gießen vergessen?“ oder „Kann aus jedem Samen eine Pflanze wachsen?“ Ich freue mich über diese Neugier und nehme die Fragen bewusst auf, ohne immer sofort eine Antwort zu geben. Gemeinsam überlegen wir, beobachten und sammeln Ideen für die nächsten Tage. Während meiner Vorbereitung wird mir außerdem bewusst, wie gut dieses Projekt zur Bildung für nachhaltige Entwicklung passt. Die Kinder erleben unmittelbar, woher Lebensmittel kommen und dass Pflanzen Zeit, Pflege und Geduld brauchen. Sie entwickeln Schritt für Schritt ein Verständnis dafür, wie wichtig ein achtsamer Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen ist. Ich gehe am Ende des Tages mit dem Gefühl nach Hause, dass wir alle etwas gelernt haben. Das Projekt beginnt nicht erst mit dem Pflanzen eines Samens – es beginnt mit Neugier, gemeinsamen Fragen und der Freude am Entdecken.
Tag 2 – Das Hochbeet verstehen
Bevor wir mit dem Säen beginnen, schaue ich mir gemeinsam mit den Kindern das Hochbeet genauer an. Auch für mich ist dieses Thema noch neu, deshalb habe ich mich im Vorfeld intensiv eingelesen und mich mit dem Aufbau und der Funktion eines Hochbeets beschäftigt. Dieses Wissen möchte ich nun gemeinsam mit den Kindern entdecken und nicht einfach nur vermitteln. Wir betrachten das Hochbeet ganz genau. Die Kinder fassen die Erde an, schauen sich die verschiedenen Schichten an und stellen viele Fragen. Schnell wird deutlich, dass ein Hochbeet viel mehr ist als nur eine Kiste mit Erde. Ich erkläre ihnen, warum die unterschiedlichen Schichten wichtig sind und wie sie den Pflanzen beim Wachsen helfen. Dabei merke ich, dass die Kinder mit großem Interesse zuhören und ihre eigenen Vermutungen einbringen. Mir ist wichtig, dass die Kinder die Natur mit allen Sinnen erleben. Sie sollen Zusammenhänge verstehen und erkennen, dass gesundes Pflanzenwachstum von vielen Faktoren abhängt. Gleichzeitig lerne ich selbst immer wieder dazu und entdecke gemeinsam mit den Kindern neue Aspekte. Beim Betrachten des Hochbeets haben wir eine Pflanze entdeckt und auf die Frage der Kinder: „Welche Pflanze ist das?“, habe ich recherchiert. So habe ich heraus gefunden, dass es sich bei der Pflanze um eine Muskatellersalbei handelt. Das ist eine traditionelle Heilpflanze und wird auch „Frauenkraut“ genannt. Die Wirkung ist krampflösend und antibakteriell.
Tag 3 – Samen kennenlernen und Heilkräuter entdecken
Heute beschäftigen wir uns mit den Samen und den Heilkräutern, die wir später in unser Hochbeet säen möchten. Bevor ich dieses Projekt plane, habe ich mich selbst zunächst mit verschiedenen Kräutern und ihren Eigenschaften beschäftigt. Ich wollte verstehen, welche Pflanzen sich gut eignen und welche Bedeutung sie für unseren Alltag haben.
Gemeinsam betrachten wir die unterschiedlichen Samen. Die Kinder stellen fest, dass sie sich in Größe, Form und Farbe unterscheiden und fragen sich, wie daraus einmal eine Pflanze entstehen kann. Anschließend sprechen wir darüber, was Heilkräuter sind. Ich erkläre, dass Menschen sie seit langer Zeit nutzen, zum Beispiel als Tee oder zur Unterstützung bei kleinen Beschwerden.
Wir schauen uns unter anderem Kamille, Pfefferminze, Salbei und Thymian an und sprechen darüber, wofür diese Pflanzen bekannt sind. Einige Kinder erzählen, dass sie Kamillentee oder Salbei-Tee schon einmal getrunken haben, wenn sie krank waren. Dadurch entsteht ein schöner Bezug zu ihrem Alltag und die Pflanzen werden für sie greifbar. Die genannten Kräuter haben folgende Wirkungen:
Kamille: Ich erkläre den Kindern, dass Kamille schon seit langer Zeit als Heilpflanze genutzt wird. Aus ihren Blüten wird häufig Tee zubereitet, der beruhigend wirken kann und traditionell bei Bauchschmerzen oder Erkältungen getrunken wird.
Pfefferminze: Gemeinsam riechen wir an der Pfefferminze und stellen fest, wie frisch sie duftet. Ich erzähle den Kindern, dass Pfefferminze oft als Tee verwendet wird und traditionell bei Magenbeschwerden oder Übelkeit eingesetzt wird. Viele Menschen empfinden ihren Duft außerdem als angenehm und erfrischend.
Salbei: Beim Kennenlernen von Salbei sprechen wir darüber, dass seine Blätter häufig für Tee oder zum Gurgeln verwendet werden. Salbei wird traditionell genutzt, um den Hals zu beruhigen und kann bei Halsschmerzen wohltuend sein.
Thymian: Ich erkläre den Kindern, dass Thymian nicht nur ein Gewürz ist, sondern auch als Heilpflanze geschätzt wird. Thymiantee oder Thymiansirup werden traditionell bei Husten und Erkältungen verwendet, weil sie die Atemwege unterstützen können.
Tag 4 – Aussaat: Jetzt wird gepflanzt
Nun beginnt der praktische Teil unseres Projekts. Gemeinsam gehen wir zum Hochbeet und jedes Kind darf selbst Samen in die Erde legen. Ich beobachte, wie sorgfältig und konzentriert die Kinder arbeiten. Sie überlegen gemeinsam, wie tief die Samen eingesetzt werden müssen und achten darauf, genügend Abstand zu lassen. Ich begleite sie bei diesem Prozess und unterstütze sie, wenn Fragen auftauchen. Gleichzeitig lasse ich ihnen viel Freiraum, eigene Erfahrungen zu sammeln. Für mich ist es schön zu sehen, wie die Kinder Verantwortung übernehmen und mit großer Sorgfalt arbeiten. Während wir pflanzen, sprechen wir immer wieder darüber, was die Samen nun brauchen, um wachsen zu können. Die Kinder erkennen, dass sie selbst einen wichtigen Beitrag leisten und dass aus ihrem Handeln später etwas Neues entstehen kann.



