Survival of the Fittest

Ein wildes Training für junge Waldläufer oder solche, die es werden wollen

Dieses Projekt entstand aus einem einfachen Gespräch. Als ich meinem Sohn erzählte, dass wir im Urlaub unter einem Tarp schlafen könnten, bekam er Angst. Statt die Idee aufzugeben, beschlossen wir, gemeinsam zu üben.
Daraus entwickelte sich „Survival of the Fittest“ – ein kleines Wildnisprojekt für junge Waldläufer. Ziel ist nicht, möglichst viele Survival-Techniken zu lernen. Vielmehr wollen wir gemeinsam Erfahrungen sammeln, Herausforderungen meistern und herausfinden, wie Lernen in der Natur gelingen kann.
In den kommenden Monaten werden wir Feuer machen, uns mit Karte und Kompass orientieren, schnitzen, bauen, forschen und Abenteuer erleben. Dieser Blog dokumentiert unsere Erfolge, unsere Fehler und die Erkenntnisse, die wir auf dem Weg sammeln.

Wie aus Angst ein Abenteuer wurde

Als ich Onno erzählte, dass wir im Sommer vielleicht unter einem Tarp schlafen würden, reagierte er anders als erwartet.

„Was? Draußen? Ohne Zelt?“

Seine Augen wurden groß und schnell wurde klar: Für ihn klang das nicht nach Abenteuer, sondern nach einer ziemlich beängstigenden Vorstellung und ihm standen die Tränen in den Augen.

Statt die Idee wieder zu verwerfen, beschlossen wir etwas anderes. Wir würden uns langsam herantasten. Nicht irgendwo tief im Wald, sondern erst einmal in vertrauter Umgebung. So entstand die Idee zu unserem Projekt „Survival of the Fittest“.

Der erste Schritt war also klar: ein Tarp aufbauen und ausprobieren, wie es sich anfühlt, darunter zu schlafen. So begann das Abenteuer.

Die Vorbereitung

Zuerst mussten wir unser Material zusammensuchen: Tarp, Seil, Plane, Axt

Danach machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Der Boden sollte möglichst eben sein und wir brauchten zwei stabile Bäume, die weit genug auseinanderstanden, um das Tarp dazwischen zu spannen.

Das klang zunächst einfach, stellte sich aber als erste kleine Herausforderung heraus. Plötzlich achteten wir auf Dinge, die sonst kaum auffallen: Wie dick sind die Bäume? Wie weit stehen sie auseinander? Ist der Boden trocken? Könnten Äste herunterfallen?

Schon bei dieser Suche merkten wir, dass man draußen anders auf seine Umgebung schaut.

Aus einer Plane wird ein Zuhause

Gemeinsam spannten wir das Tarp zwischen den Bäumen auf. Nach und nach entstand ein kleiner geschützter Raum.

Was vorher nur eine Plane gewesen war, sah plötzlich wie ein Lager aus.

Wir richteten unseren Schlafplatz ein, probierten aus, wie man darunter liegen würde, und stellten fest, dass es sich erstaunlich gemütlich anfühlte.

Während des Aufbaus wich die anfängliche Sorge langsam der Neugier.

„Eigentlich sieht das ganz cool aus“, meinte Onno irgendwann.

Für mich war das ein wichtiger Moment. Noch am Anfang des Tages hatte der Gedanke ans Schlafen unter dem Tarp Angst ausgelöst. Jetzt begann daraus ein Abenteuer zu werden.

Der Moment der Wahrheit

Solange die Sonne schien, fühlte sich alles leicht an.

Doch als es langsam dunkler wurde, veränderte sich die Stimmung.

Die vertraute Umgebung wirkte plötzlich anders. Geräusche, die tagsüber kaum auffallen, wurden deutlicher. Das Rascheln der Blätter, der Wind in den Ästen und entfernte Stimmen klangen auf einmal viel intensiver.

Es war spannend zu beobachten, wie die Fantasie arbeitet, sobald die Dunkelheit kommt.

Trotzdem blieben wir. Und genau darum ging es. Nicht darum, keine Angst zu haben. Sondern darum, etwas zu tun, obwohl man ein wenig Angst hat.

Das ist Mut.

Die unerwartete Herausforderung

Irgendwann mitten in der Nacht wurde Onno wach. Er musste dringend auf die Toilette. Tagsüber wäre das keine besondere Geschichte gewesen. Doch jetzt war es dunkel. Wirklich dunkel.

Zu meiner Überraschung fasste er sich ein Herz und machte sich ganz allein im Dunkeln auf den Weg zum Haus. Für jemanden, der am Anfang des Tages noch Angst vor dem Schlafen unter dem Tarp hatte, war das ein riesiger Schritt.

Ich blieb zurück und war ziemlich stolz auf seinen Mut. Doch kurze Zeit später hörte ich Schritte und leises Weinen. Meine Mutter hatte die Terrassentür versehentlich abgeschlossen. Statt ins Haus zu gelangen, stand Onno plötzlich allein vor verschlossener Tür in der Dunkelheit. Für einen Moment war das Abenteuer vorbei.

Er kam weinend zum Tarp zurück und erzählte mir, was passiert war. Gemeinsam machten wir uns erneut auf den Weg. Mit meinem Schlüssel gelangten wir schließlich durch die Vordertür ins Haus und das nächtliche Toilettenproblem konnte gelöst werden.

Als wir später wieder unter dem Tarp lagen, war die Stimmung allerdings eine andere. Der Mut der ersten Stunden war aufgebraucht. Die Aufregung, die Dunkelheit und das kleine Missgeschick mit der verschlossenen Tür hatten ihre Spuren hinterlassen.

Onno machte deutlich, dass er für diese Nacht genug Abenteuer erlebt hatte.
Also trafen wir gemeinsam die Entscheidung, den Rest der Nacht drinnen zu verbringen.

Halb geschafft ist auch geschafft

Natürlich hätten wir gerne die ganze Nacht draußen geschlafen.
Aber darum ging es eigentlich gar nicht. Wir hatten uns einer Herausforderung gestellt. Wir hatten ein Tarp aufgebaut, unseren Schlafplatz eingerichtet und mehrere Stunden draußen verbracht. Und als die Situation schwierig wurde, haben wir eine Lösung gefunden.

Manchmal bedeutet Erfolg nicht, ein Ziel perfekt zu erreichen. Manchmal bedeutet Erfolg, den ersten Schritt überhaupt gewagt zu haben.

Auch wenn wir nur die halbe Nacht draußen geschlafen haben, war dieser erste Versuch ein voller Erfolg. Denn aus Angst war Neugier geworden. Und aus Neugier entstand der Mut, es beim nächsten Mal wieder zu versuchen.

Erkenntnis des Tages

Unser erstes Tarp-Abenteuer verlief anders als geplant. Die ganze Nacht draußen haben wir nicht geschafft. Trotzdem war der Tag ein Erfolg.

Aus anfänglicher Angst wurde Neugier. Aus Neugier wurde Mut. Und auch wenn wir am Ende wieder im Haus geschlafen haben, haben wir gelernt, dass Abenteuer nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein. Manchmal reicht es, den ersten Schritt zu wagen.

Für Onno bedeutete das, sich seiner Angst vor dem Draußenschlafen zu stellen. Für mich war es die Erkenntnis, dass Kinder Herausforderungen besser meistern, wenn sie selbst entscheiden dürfen, wie weit sie gehen möchten.


Beim nächsten Treffen wartet bereits die nächste Herausforderung:

Orientierung mit Karte und Kompass.

Gipfelstürmer

Nach unserer ersten Nacht unter dem Tarp wartete bereits die nächste Herausforderung auf uns.

Diesmal wollen wir einen Aussichtspunkt auf einer Bergspitze in den Ravensbergen erreichen. Von dort aus sollte man weit über die Baumwipfel blicken können. Für uns klang das nach einem echten Abenteuer.

Doch bevor wir den Gipfel erreichen konnten, mussten wir erst lernen, wie man sich im Wald orientiert.

Heute übernimmt Onno die Führung.

Auf die Karte, Kompas, los

Bevor wir aufbrachen, erklärte ich Onno die Grundlagen von Karte und Kompass. Gemeinsam schauten wir uns die Karte an, bestimmten unsere Richtung und ermittelten die passende Marschzahl.

Unterstützt wurden wir von Michaela, einer Wildlingsschülerin aus dem dritten Ausbildungsjahr.

Als alles vorbereitet war, konnte unsere Expedition beginnen.

Mit dem Kompass in der Hand und einem klaren Ziel vor Augen führte uns Onno entschlossen durchs Unterholz.

Expedition: Urwald Ravensberge

Schon nach kurzer Zeit verließen wir die Wege und bewegten uns quer durch den Wald.

Zwischen umgestürzten Ästen und dichtem Unterholz mussten wir uns unseren Weg suchen. Immer wieder ging es über Hindernisse hinweg oder zwischen Büschen hindurch.

Schnell fühlte sich unsere Wanderung weniger wie ein Spaziergang und mehr wie eine kleine Expedition an.

Der Wald wirkte plötzlich größer, wilder und geheimnisvoller.

Während Onno konzentriert versuchte, die Richtung zu halten, folgten Michaela und ich seinem Kurs durch den „Urwald“ der Ravensberge.

Wie Rotkäppchen von Weg abkam

Irgendwann beschlich uns jedoch das Gefühl, dass etwas nicht stimmte.

Die Landschaft sah anders aus als erwartet und unsere Richtung passte nicht mehr so recht zu dem, was wir auf der Karte vermuteten.

Je länger wir unterwegs waren, desto deutlicher wurde: Irgendwo hatten wir einen Fehler gemacht.

Erst später, bei der Reflexion mit Andrè, fanden wir die Ursache.

Die Marschzahl war zwar richtig eingestellt gewesen, doch wir hatten sie falsch angewendet.

Statt uns in der eingestellten Richtung einen markanten Punkt – beispielsweise einen Baum oder einen auffälligen Stamm – zu suchen und gezielt dorthin zu laufen, orientierten wir uns immer wieder nur grob am Kompass.

Mit jedem kleinen Richtungsfehler entfernten wir uns ein Stück weiter vom eigentlichen Kurs.

Wie Rotkäppchen, das den Weg verlässt und immer tiefer in den Wald gerät, waren auch wir Schritt für Schritt von unserer Route abgekommen.

Zum Glück begegnete uns unterwegs kein Wolf.

Von Entdeckern und Endeckungen

Auch wenn wir unseren Kurs verloren hatten, bescherte uns der Irrweg eine unerwartete Entdeckung.

Plötzlich öffnete sich der Wald und vor uns lag die Lichtung unserer Wildnisgruppe.

Für mich war dieser Ort vertraut.

Für Onno war er neu.

Zum ersten Mal konnte er den Platz sehen, an dem ich regelmäßig meinen Wildnisunterricht besuche.

Neugierig erkundete er die Umgebung, stellte Fragen und schaute sich alles ganz genau an.

Ausgerechnet unser Fehler hatte uns an einen Ort geführt, den wir sonst vielleicht nie gemeinsam besucht hätten.

Manchmal warten die spannendsten Entdeckungen dort, wo man eigentlich gar nicht hinwollte.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Während wir unsere Pause machten, wurde uns langsam klar, dass wir unser ursprüngliches Ziel an diesem Tag nicht mehr erreichen würden.

Der falsche Kurs hatte Zeit gekostet und die Strecke war deutlich länger geworden als geplant.

Eigentlich wollten wir den Aussichtspunkt auf der Bergspitze erreichen. Nun mussten wir uns eingestehen, dass der Gipfel warten musste. Onno war darüber zunächst enttäuscht.

Er hatte sich auf das Ziel gefreut und wollte den Berg unbedingt erreichen.

Doch manchmal gehört zu einer Expedition nicht nur das Aufbrechen, sondern auch die Fähigkeit, Pläne anzupassen.

Lieber rechtzeitig umdenken, als am Ende orientierungslos im Wald zu stehen oder erst bei Dunkelheit den Heimweg antreten zu müssen.

Also beschlossen wir gemeinsam, den Tag anders zu nutzen.

Hochhinaus – anders als gedacht

Auch wenn wir den Gipfel nicht erreichten, kam Onno an diesem Tag trotzdem noch hoch hinaus.

Die Lichtung bot genügend Möglichkeiten zum Klettern, Balancieren und Erkunden. Schon kurze Zeit später war die Enttäuschung über das verpasste Ziel vergessen.

Mit großer Begeisterung kletterte er auf Bäume und Baumstämme, probierte neue Wege aus und genoss die Freiheit des Ortes.

Aus dem geplanten Gipfelsturm war ein ganz anderes Abenteuer geworden.

Und als wir schließlich aufbrechen mussten, war Onno erneut unzufrieden – diesmal allerdings aus einem völlig anderen Grund.

Er fand, dass wir viel zu wenig Zeit auf der Lichtung verbracht hatten.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir gelernt, dass Karte und Kompass zwar wichtige Werkzeuge sind, aber nur dann helfen, wenn man sie richtig anwendet.

Wir haben gelernt, dass Fehler dazugehören und dass man manchmal vom geplanten Weg abkommt.

Vor allem aber haben wir erfahren, dass nicht jede Expedition genau so verlaufen muss, wie man sie sich vorgestellt hat.

Unser Ziel auf dem Gipfel haben wir zwar nicht erreicht. Trotzdem war der Tag ein Erfolg. Denn wir haben etwas Neues entdeckt, eine wichtige Lektion über Orientierung gelernt und gemeinsam erlebt, dass Abenteuer oft dort beginnen, wo der ursprüngliche Plan endet.

Der Gipfel wartet noch auf uns.
Doch bevor wir dorthin zurückkehren, gibt es noch viel zu lernen. Vielleicht werden wir als Nächstes ein Feuer entfachen, auf die Suche nach dem perfekten Brennholz gehen oder den Wald aus den Augen eines Wichtels entdecken.

Eines ist sicher: Das nächste Abenteuer wartet bereits hinter der nächsten Wegbiegung.

Holz vor der Hütte

Bei Oma wartete eine große Menge Holz darauf, verarbeitet zu werden.

Die Stämme waren schwer und die Arbeit körperlich anspruchsvoll. Deshalb kamen Onnos Cousins zur Unterstützung. Gemeinsam wollten wir das Holz für den kommenden Winter aufarbeiten.

Schon beim ersten Blick auf die Holzberge wurde klar: Das würde keine kleine Nachmittagsbeschäftigung werden.

Überall lagen Stämme, Äste und Holzstücke. Während die Erwachsenen abschätzten, wie viel Arbeit vor uns lag, betrachtete Onno das Ganze mit großen Augen.

Alle waren ein wenig aufgeregt. Die Frage stand im Raum: Wie viel würden wir heute schaffen?

Wenn die Motorsäge singt

Schon bald erfüllte das laute Knattern der Motorsäge den Hof.

Onnos Cousin begann damit, die langen Baumstämme in handliche Stücke zu zersägen. Wo eben noch schwere Stämme lagen, entstanden nach und nach ordentlich aufgeschichtete Holzscheite.

Onno beobachtete die Arbeit aufmerksam.

Die Motorsäge beeindruckte ihn. Mit scheinbarer Leichtigkeit fraß sie sich durch das Holz und verwandelte große Stämme in Stücke, die später im Kamin landen würden.

Zum ersten Mal wurde sichtbar, wie viel Arbeit eigentlich hinter einem einzigen Holzscheit steckt.

Viele Hände, schnelles Ende

Während die Motorsäge arbeitete, bekam jeder seine eigene Aufgabe.

Holz wurde gestapelt, Äste wurden weggeräumt und die Sägespäne zusammengeharkt. Immer wieder füllten wir den Schieber und brachten das Holz an seinen Platz.

Mit jeder erledigten Aufgabe wurde der Unterschied sichtbarer.

Der Holzberg schrumpfte langsam und aus dem anfänglichen Durcheinander entstand Stück für Stück Ordnung.

Je mehr Hände mithalfen, desto schneller ging die Arbeit voran.

Der gehackte Traum

Besonders fasziniert war Onno von der Axt.

Natürlich wollte er nicht nur zuschauen, sondern selbst mithelfen.

Nachdem wir die wichtigsten Sicherheitsregeln besprochen hatten, durfte er erste vorsichtige Versuche machen.

Doch schnell zeigte sich, dass die Aufgabe schwieriger war als gedacht.

Die Axt war schwer und seine Hände noch zu klein, um sie sicher und kontrolliert zu führen.

Was in seiner Vorstellung ganz einfach ausgesehen hatte, funktionierte in der Praxis nicht so gut.

Die Enttäuschung war ihm deutlich anzusehen.

Kleine Hände, große Aufgaben

Doch statt aufzugeben, suchte Onno nach einer anderen Möglichkeit, sich einzubringen.

Denn eines war für ihn klar: Er wollte Teil der Aktion bleiben. Nicht jede Aufgabe passt zu jedem Menschen. Aber jeder kann etwas beitragen.

Und genau das sollte sich wenig später zeigen.

Von Scheiten und Zapfen

Zwischen den Holzstapeln entdeckte Onno eine neue Aufgabe.

Überall lagen Tannenzapfen. Kurzerhand sammelte er sie ein und begann, sie mit der Axt zu zerkleinern. Plötzlich funktionierte das Hacken. Die Zapfen waren kleiner, leichter und passten viel besser zu seinen Möglichkeiten.

Aus Frust wurde Stolz. Während die Großen Holzscheite spalteten, zerlegte Onno Tannenzapfen. Jeder arbeitete auf seine Weise mit.

Voll geschoben

Mit vereinten Kräften ging die Arbeit weiter.

Immer mehr Holz wanderte in den Schieber, wurde transportiert und ordentlich aufgestapelt.

Was am Morgen noch wie ein riesiger Berg aus Holz ausgesehen hatte, war am Ende deutlich kleiner geworden.

Natürlich war noch nicht alles geschafft.Aber gemeinsam hatten wir eine beeindruckende Menge bewegt.

Als wir auf den gefüllten Schieber und die aufgeschichteten Holzstapel blickten, konnten wir alle ein wenig stolz auf das sein, was wir zusammen erreicht hatten.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir gelernt, dass hinter jedem Holzscheit viel Arbeit steckt.

Wir haben aber auch gelernt, dass nicht jeder dieselbe Aufgabe übernehmen muss, um ein wichtiger Teil eines Teams zu sein.

Während die einen sägten, stapelten oder schoben, fand Onno seinen Platz zwischen Tannenzapfen und Holzstapeln.

Am Ende zählte nicht, wer die schwerste Arbeit erledigt hatte.

Entscheidend war, dass alle mit angepackt und ihren Beitrag geleistet hatten.

Und während die Holzstapel langsam wuchsen, entstand bereits die nächste Frage:

Was macht man eigentlich mit all dem Holz?

Vielleicht werden wir das schon beim nächsten Abenteuer herausfinden.

Ein Kreis aus Licht

Dieses Feuer war kein Feuer wie jedes andere.

Wir hatten uns bewusst die Walpurgisnacht ausgesucht – jene Nacht, die traditionell als Übergang vom Winter in den Sommer gilt und seit Jahrhunderten mit Feuer, Licht und Gemeinschaft verbunden wird.

Bevor wir mit dem Feuermachen begannen, bereiteten wir die Feuerstelle vor.

Rund um den Platz stellten wir kleine Kerzen auf. Nach und nach entstand ein Kreis aus Licht, der die Feuerstelle umgab und dem Abend eine besondere Stimmung verlieh.

Während es langsam dunkler wurde, nahmen wir uns Zeit zum Ankommen.

Jeder durfte Gedanken, Sorgen oder Gewohnheiten aufschreiben, die er loslassen wollte. Die kleinen Zettel sollten später dem Feuer übergeben werden.

Doch zuerst mussten wir unser Feuer noch zum Brennen bringen.

Die große Suche nach dem kleinen Holz

Nach unserer Holzaktion wussten wir bereits, dass ein Feuer Holz braucht. Doch schnell wurde klar, dass die großen Holzscheite nur einen kleinen Teil der Geschichte erzählen.

Ein Feuer beginnt mit den kleinsten Dingen.

Also machten wir uns auf die Suche nach geeignetem Material. Wir sammelten trockene Zweige, suchten nach feinem Zunder und hielten Ausschau nach Birkenrinde. Zusätzlich hatten wir etwas Wachs dabei, das uns den Start erleichtern sollte.

Dabei stellten wir uns immer wieder dieselben Fragen:

Was brennt eigentlich gut? Was entzündet sich schnell? Und warum funktionieren manche Materialien besser als andere?

Aus dem Feuermachen wurde schnell ein kleines Forschungsprojekt.

Wer brennt wie und warum?

Schon bald lagen verschiedene Materialien vor uns.

Trockene Birkenrinde, feine Zweige, kleine Äste und größere Holzstücke.

Wir betrachteten die einzelnen Materialien genauer und überlegten, welche Aufgabe sie beim Feuermachen übernehmen.

Schnell wurde deutlich, dass nicht alles gleich gut brennt.

Manches entzündete sich fast sofort, anderes begann lediglich zu qualmen. Wieder andere Materialien wollten sich überhaupt nicht überzeugen lassen.

Je mehr wir ausprobierten, desto besser verstanden wir, warum ein Feuer nicht einfach nur Holz braucht, sondern die richtige Mischung aus Material, Luft und Geduld.

Stein auf Stein, Ast auf Ast

Nun begann der Aufbau unserer Feuerstelle.

Kleine Zweige wurden sorgfältig übereinander gelegt. Darüber kamen etwas größere Äste und schließlich das Holz, das später für ein dauerhaftes Feuer sorgen sollte.

Wir achteten darauf, genügend Zwischenräume zu lassen. Denn ein Feuer braucht nicht nur Brennstoff, sondern auch Luft zum Atmen. Langsam entstand ein kleiner Holzturm. Mit jedem Ast stieg die Spannung. Und würde er brennen?

Der schiefe Turm von Brand

Vorsichtig hielten wir das erste Streichholz an den Zunder. Die Birkenrinde fing Feuer. Die ersten Flammen leckten an den kleinen Zweigen empor. Für einen kurzen Moment waren wir sicher: Es klappt!

Doch die Freude hielt nicht lange an. Unser Holzturm war nicht stabil genug aufgebaut.

Die Konstruktion begann sich zu neigen und sackte langsam in sich zusammen. Einige Äste verloren den Kontakt zur Flamme, andere rutschten zur Seite.

So schnell das Feuer entstanden war, so schnell verschwand es auch wieder. Zurück blieb nur etwas Rauch. Also begannen wir von vorn.

Diesmal langsamer, sorgfältiger und mit etwas mehr Geduld.

Rauchzeichen

Beim zweiten Versuch durfte Onno selbst das Streichholz entzünden. Mutig hielt er die kleine Flamme an den Zunder. Als dieser plötzlich aufflammte, erschrak er kurz und machte instinktiv einen Schritt zurück.

Doch genau darum ging es an diesem Tag: Sich trauen, etwas Neues auszuprobieren. Das Feuer begann erneut zu glimmen. Dann kam der Rauch. Und noch mehr Rauch.

Der Wind drehte immer wieder und blies die Rauchschwaden mal in die eine, mal in die andere Richtung.

Geduldig fütterten wir das Feuer mit kleinen Zweigen und weiterem Zunder. Immer wieder beobachteten wir, was geschah. Langsam verstanden wir, wann das Feuer Unterstützung brauchte und wann man es besser in Ruhe ließ.

Nach und nach wurde der Rauch weniger. Die Flammen wurden größer. Und schließlich begann das Feuer, sich selbst zu tragen.

Als der Funke übersprang

Plötzlich war er da. Der Moment, auf den wir die ganze Zeit hingearbeitet hatten. Die Flammen griffen auf die ersten Äste über, das Holz begann zu knacken und aus vorsichtigem Glimmen wurde ein echtes Feuer. Die Wärme war sofort spürbar.

Onno beobachtete fasziniert, wie aus den kleinen Flammen ein lebendiges Feuer entstand. Nach all den Versuchen, dem Rauch und den kleinen Rückschlägen fühlte sich dieser Moment wie ein echter Erfolg an.

Wünsche für den Kosmos

Nun war der richtige Zeitpunkt für unser Walpurgisritual gekommen.

Aus Stöcken und Naturmaterialien hatten wir ein kleines Bundle gelegt. Symmetrisch angeordnete Blätter, Blüten und Zweige bildeten ein Muster auf dem Boden. Nacheinander traten wir an das Feuer.

Jeder nahm seinen Zettel mit den Gedanken, Sorgen oder Dingen, die er loslassen wollte. Ich hatte den für Onno natürlich geschrieben. Dann wurden die Zettel einzeln den Flammen übergeben.

Langsam verwandelten sie sich in Asche. Der Rauch stieg auf und verschwand in der Dunkelheit. Für einen Moment fühlte es sich an, als würden die Gedanken vom Feuer aufgenommen und hinaus in den Kosmos getragen.

Funkenflug

Inzwischen war es dunkel geworden.

Der Kerzenkreis leuchtete rund um die Feuerstelle und tauchte den Platz in warmes Licht. Immer wieder stiegen kleine Funken aus dem Feuer empor.

Für einen Moment sahen sie aus wie winzige Sterne, die zum Himmel aufstiegen. Onno verfolgte sie mit den Augen, während sie höher und höher stiegen.

Einige verschwanden zwischen den Ästen der Bäume. Andere schwebten so weit hinauf, dass sie schließlich in der Dunkelheit nicht mehr zu erkennen waren.

Wir saßen einfach da und schauten zu. Kein Ziel. Keine Aufgabe.

Nur das Knistern des Feuers, die Wärme auf der Haut und die kleinen Sterne aus Funken, die in den Nachthimmel tanzten.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir gelernt, dass ein Feuer nicht mit den großen Holzscheiten beginnt.

Es beginnt mit den kleinen Dingen.

Mit trockenem Zunder, feinen Zweigen, etwas Geduld und der Bereitschaft, es nach einem Rückschlag noch einmal zu versuchen.

Unser erster Versuch scheiterte.

Der zweite war voller Rauch.

Doch genau dadurch haben wir verstanden, wie Feuer entsteht.

Man kann es nicht erzwingen.

Man muss ihm die richtigen Bedingungen geben.

Und manchmal braucht es viele kleine Schritte, bis der Funke wirklich überspringt.

Doch Feuer spendet nicht nur Wärme.

Es bringt Menschen zusammen, schafft besondere Momente und kann helfen, Dinge loszulassen.

Während die letzten Funken in den Nachthimmel stiegen, entstand bereits die nächste Frage:

Wenn wir nun ein Feuer entzünden können – könnten wir darauf vielleicht auch etwas kochen?

Bilder im Kopf – Ein Tag voller Ideen

Manche Tage hinterlassen viele Fotos – andere hinterlassen vor allem Bilder im Kopf. Dieser Tag gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als ich später die Bilder für unseren Blog zusammensuchen wollte, stellte ich fest, dass wir so gut wie gar nicht fotografiert hatten. Nicht weil nichts passiert wäre – ganz im Gegenteil. Wir waren so sehr mit Ausprobieren, Überlegen, Verwerfen und Neubeginnen beschäftigt, dass die Kamera völlig in Vergessenheit geraten war.

Manchmal entstehen die schönsten Erinnerungen eben nicht auf Fotos, sondern im Kopf.

Nur Feuer reicht uns nicht

Nach unserem Feuerabend beschäftigte Onno noch eine ganz andere Frage. „Wie haben die Menschen eigentlich früher gekocht?“ Eine gute Frage. Schließlich gab es keine Herdplatten, keine Mikrowellen und schon gar keine modernen Küchen.

Je länger wir darüber nachdachten, desto spannender wurde die Vorstellung. Wenn Menschen früher ihr Essen über dem Feuer zubereitet haben – wie haben sie ihre Töpfe eigentlich über die Flammen bekommen? Haben sie die Töpfe einfach auf Steine gestellt? Haben sie sie aufgehängt? Oder gab es vielleicht noch ganz andere Möglichkeiten?

Aus einer einfachen Kinderfrage wurde plötzlich ein neues Wildnisprojekt und wir beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und unsere eigene Feuerküche zu bauen.

Onnos Feuerküche

Die erste Idee kam direkt von Onno. Wenn Menschen früher über dem Feuer gekocht haben, warum sollte man den Topf nicht einfach auf Steine stellen? Die Überlegung klang zunächst gar nicht schlecht.

Gesagt, getan… Also suchten wir ein paar Steine und bauten daraus eine kleine Konstruktion. Stein an Stein entstand ein provisorischer Unterbau für unseren Topf. Um die Idee zu testen, füllten wir den Topf mit Wasser. Schließlich sollte er später nicht leer über dem Feuer hängen. Doch der Praxistest dauerte nicht lange.

Kaum stand der Topf auf den Steinen, begann er zu rutschen und verlor sein Balance. Zum Glück war noch kein Feuer darunter und kein Essen im Topf.

So blieb es bei einem kleinen Schreckmoment und einer wichtigen Erkenntnis: Unsere Feuerküche brauchte wohl doch mehr als eine lose Steinsammlung.

Ein Topf auf drei Beinen

Schließlich kamen wir auf eine neue Idee: Ein Dreibein.

Mit drei langen Ästen entstand langsam eine Konstruktion, die über einer Feuerstelle stehen konnte. Stück für Stück nahm unsere kleine Feuerküche Gestalt an. Doch kaum stand das Dreibein, tauchte das nächste Problem auf.

Unser Topf hatte gar keinen Henkel. Selbst wenn wir ihn aufhängen wollten – woran eigentlich?

Der Haken an der Sache

Also musste zunächst ein Henkel her. Mit etwas Draht bauten wir einen Bügel für unseren Topf. Wir bogen, probierten und passten an, bis schließlich eine Lösung entstand, die stabil genug wirkte. Erst jetzt konnte der Topf überhaupt aufgehängt werden. Manchmal besteht die größte Herausforderung nicht darin, eine Lösung zu finden, sondern darin, die Probleme zu entdecken, an die man vorher gar nicht gedacht hat.

Der zweckgebundene Ast

Nachdem unser Dreibein stand und der Topf endlich einen Henkel bekommen hatte, fehlte immer noch ein wichtiges Verbindungsstück. Der Topf musste schließlich irgendwie am Dreibein befestigt werden.

Natürlich hätten wir einfach einen Fleischerhaken verwenden können. Doch genau darum ging es uns nicht. Wir wollten herausfinden, wie man sich mit einfachen Mitteln selbst helfen kann.

Zum Glück erinnerte ich mich an etwas, das ich vor einigen Jahren in Schweden gelernt hatte. Dort hatte ich gesehen, wie aus ein paar Ästen ein sogenannter Pot Hook gebaut wird – eine Aufhängung, mit der ein Topf über dem Feuer schweben kann. Also machten wir uns auf die Suche nach zwei passenden Astgabeln.

Nachdem wir geeignete Äste gefunden hatten, wurden sie auf die richtige Länge gekürzt. Anschließend richteten wir die Astgabeln entgegengesetzt zueinander aus und verbanden sie mit Schnur. Langsam entstand aus zwei gewöhnlichen Stöcken ein Werkzeug.

Die Enden wurden etwas geglättet, überstehende Stücke entfernt und immer wieder geprüft, ob alles zusammenpasste.

Der schwebende Topf

Nun kam der spannende Teil. Wie schon bei unserem ersten Versuch mit den Steinen sollte auch diesmal nicht nur die Theorie zählen. Zunächst hängten wir den leeren Topf ein. Der Pot Hook hielt. Dann folgte die eigentliche Belastungsprobe. Wir füllten den Topf mit Wasser und beobachteten gespannt, was passieren würde. – Nichts. – Kein Verrutschen. – Kein Zusammenbrechen.

Der Pot Hook hielt auch das zusätzliche Gewicht problemlos aus. Doch damit war unsere Konstruktion noch nicht vollständig. Mit einer Schnur bauten wir eine Aufhängung, die sich verstellen ließ. Dadurch konnten wir den Topf näher an die Feuerstelle bringen oder weiter davon entfernen.

Das war ein großer Vorteil gegenüber unserer ersten Idee mit den Steinen. Dort stand der Topf immer an derselben Stelle. Jetzt konnten wir die Höhe mit wenigen Handgriffen verändern. Onno probierte die verschiedenen Positionen sofort aus und beobachtete, wie der Topf mal höher und mal tiefer über der Feuerstelle schwebte. Für ihn war das fast ein wenig wie Zauberei.

Noch vor wenigen Minuten waren die Äste einfach nur Stöcker gewesen. Jetzt hielten sie einen Topf in der Luft. Gemeinsam überlegten wir, wofür man Äste eigentlich noch alles verwenden könnte: als Brennholz, als Wanderstock, als Werkzeug. – Oder eben als Aufhängung für einen Kochtopf.

Plötzlich war ein Ast mehr – Er war die Lösung für ein Problem, von dem man am Morgen noch gar nicht wusste, dass man es haben würde.

Der Feuerdrache darf heute nicht spucken

Eigentlich waren wir nun bereit. Der Topf hing. Das Dreibein stand. Nun hätte nur noch das Feuer gefehlt. Doch die Waldbrandstufe machte uns einen Strich durch die Rechnung. An diesem Tag durfte kein Feuer entzündet werden. Der Feuerdrache musste also still bleiben. Natürlich waren wir ein wenig enttäuscht. Schließlich hätten wir unsere Konstruktion gerne sofort ausprobiert.

Doch Sicherheit geht vor.

Und manchmal gehört auch das zur Wildnis dazu: Bedingungen zu akzeptieren und Pläne anzupassen. So blieb die Frage offen, ob unser schwebender Topf tatsächlich zum Kochen geeignet sein würde.

Und wiede gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so freuen wir uns darauf, dieses Experiment an einem anderen Tag durchführen zu können.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir gelernt, dass gute Lösungen selten auf Anhieb entstehen. Oft beginnt alles mit einer Idee. Dann folgt ein Problem. Danach ein weiteres Problem. Und manchmal noch eines. Doch genau dadurch entstehen neue Einfälle und bessere Lösungen.

Aus einer einfachen Frage – „Wie bekommt man einen Topf über das Feuer?“ – wurde ein ganzer Nachmittag voller Ideen, Versuche und kleiner Erfindungen. Am Ende hing unser Topf tatsächlich dort, wo er hingehörte. Ob wir damit eines Tages kochen können, wissen wir noch nicht.

Aber eines haben wir gelernt: Manchmal ist der Weg zur Lösung spannender als die Lösung selbst. Und während unser Topf über der Feuerstelle schwebte, wartete das nächste Abenteuer bereits im Wald.

Wer wohnt denn da im Wald?

Zwischen hohen Kiefern, umgestürzten Ästen und weichen Moospolstern kann man leicht vergessen, dass man gar nicht allein unterwegs ist.
Natürlich leben im Wald viele Tiere. Eichhörnchen huschen durch die Baumkronen, Vögel bauen ihre Nester und zwischen den Wurzeln verstecken sich unzählige kleine Krabbler.
Doch während wir durch die Wälder in den Glindower Alpen streiften, stellte sich plötzlich eine andere Frage: Wer wohnt eigentlich noch hier? Vielleicht Waldgeister. Vielleicht Wichtel. Vielleicht unsichtbare Bewohner, die man nur entdeckt, wenn man ganz genau hinschaut.
Und wenn sie hier wohnen, brauchen sie vielleicht auch ein Zuhause.

Die beste Baustelle der Welt

Schon bald entdeckten wir den perfekten Bauplatz. Zwischen den Wurzeln eines Baumes hatte die Natur bereits eine kleine Höhle geschaffen. Ein geschützter Ort mit Dach, Wänden und sogar einem kleinen Vorplatz.
Onno war sofort begeistert. Während Erwachsene oft lange planen, wo etwas entstehen soll, war für ihn die Sache sofort klar: Hier wird gebaut.
Und so wurde aus einem Stück Waldboden die vielleicht schönste Baustelle der Glindower Alpen.

Ohne Moos nix los – oder es wird nass

Kein Haus ohne Dach. Schließlich sollen Waldgeister, Wichtel oder andere Bewohner auch bei Regen trocken bleiben. Also begann die Suche nach geeignetem Baumaterial. Moos wurde gesammelt, kleine Äste herangetragen und Rindenstücke ausprobiert. Immer wieder wurde geschaut, was gut zusammenpasst und was vielleicht doch wieder verrutscht.
Nach und nach entstand ein dichtes Dach aus Naturmaterialien.
Dabei merkten wir schnell: Ohne Moos geht gar nichts.
Es macht nicht nur alles gemütlicher, sondern hält auch Wind und Wetter ein wenig fern.

Aussicht für Unsichtbare

Je länger wir bauten, desto mehr Details kamen hinzu.
Der Eingang wurde verbessert, kleine Äste wurden zu Stützen und plötzlich entstand die Frage, die jedes Haus irgendwann beantworten muss:
Wie sieht es eigentlich mit der Aussicht aus? Schließlich möchte niemand in einem Haus wohnen, aus dem man nur auf eine Wurzel schauen kann.
Also wurde hier noch etwas verändert und dort noch etwas ergänzt.
Langsam verwandelte sich die kleine Höhle in ein richtiges Zuhause.
Zumindest für jemanden, den man vielleicht nie zu Gesicht bekommt.

Wenn Spinnen, Eichhörnchen und Vögel ein neues Zuhause bekommen

Während wir weiterbauten, überlegten wir, wer später einmal einziehen könnte.
Vielleicht ein Wichtel. Vielleicht ein Waldgeist. Vielleicht aber auch eine Spinne, die dringend eine neue Wohnung sucht. Oder ein Eichhörnchen auf der Durchreise. Vielleicht schaut sogar ein Vogel vorbei und nutzt das Haus als Rastplatz. Je länger wir darüber nachdachten, desto mehr mögliche Bewohner fanden wir. Und plötzlich war es gar nicht mehr wichtig, ob wirklich jemand einzieht. Allein die Vorstellung machte Spaß.

Die Begehung

Irgendwann war der große Moment gekommen. Das Haus war fertig. Nun musste geprüft werden, ob alles auch wirklich seinen Zweck erfüllt. Gemeinsam betrachteten wir das Dach, den Eingang und die kleinen Details. Würde es Regen aushalten? Ist genug Platz vorhanden? Können Waldgeister bequem ein- und ausgehen? Onno nahm die Aufgabe sehr ernst und begutachtete sein Werk aus allen Blickwinkeln.
Am Ende fiel das Urteil eindeutig aus: Einzugsbereit.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir nichts geschnitzt, kein Feuer gemacht und keine Werkzeuge gebaut. Und trotzdem haben wir etwas geschaffen. Mit ein paar Ästen, etwas Moos und einer großen Portion Fantasie entstand aus einem Stück Wald ein Zuhause. Ob dort wirklich jemand einzieht, wissen wir nicht. Vielleicht entdeckt eines Tages ein Eichhörnchen das Haus. Vielleicht eine Spinne. Vielleicht ein Wichtel. Und vielleicht bleibt es auch einfach ein Ort, an dem man kurz stehen bleibt und sich fragt: Wer wohnt denn da im Wald?

Während die neuen Bewohner vielleicht noch über ihren Einzug nachdenken, wartet auf uns bereits das nächste Abenteuer. Denn im Wald gibt es noch vieles zu entdecken, zu erforschen, zu erklettern und auszuprobieren.

Wer führt wen?

Eigentlich hatten wir für diesen Tag keinen besonderen Plan. Wir wollten einfach hinaus in die Natur und schauen, was uns begegnet. Wie so oft stellte sich dabei schnell die Frage, wer eigentlich wen führt. Offiziell war ich die Erwachsene.

In der Praxis war es meistens Onno, der irgendwo etwas entdeckte und schon den nächsten Abstecher plante. So wurde aus einem einfachen Spaziergang nach und nach eine kleine Expedition durch die Glindower Alpen.

Fragen hinter Fragen hinter fragen

Kaum waren wir unterwegs, begann das große Rätselraten. Wem gehören die Spuren auf dem Waldboden? Was fressen Rehe eigentlich? Und warum sehen manche Pfade ganz anders aus als andere?

Immer wieder blieben wir stehen und betrachteten die Zeichen, die die Tiere hinterlassen hatten. Besonders spannend waren die unterschiedlichen Wege im Wald. Gemeinsam versuchten wir herauszufinden, welche Pfade von Rehen stammen und welche eher von Wildschweinen genutzt werden.

Als wir frische Spuren entdeckten, wollte Onno ihnen am liebsten direkt ins Unterholz folgen. Ich war da etwas vorsichtiger. Denn wer Wildschweinspuren folgt, könnte am Ende auch den Wildschweinen selbst begegnen. Und auf eine Rotte wollte ich dann doch lieber nicht treffen.

Je mehr Fragen wir beantworteten, desto mehr neue Fragen entstanden.

Der Baum ruft

Unterwegs fanden wir Wasserlöcher, beobachteten Waldameisen bei ihrer Arbeit und entdeckten sogar einige essbare Wildkräuter. Zwischendurch machten wir kleine Wahrnehmungsübungen. Wir blieben stehen, schlossen die Augen und lauschten. Was kann man eigentlich alles hören, wenn man wirklich zuhört?

Vogelstimmen. Das Rascheln der Blätter. Den Wind in den Baumkronen. Und irgendwo in der Ferne das Klopfen eines Spechts. Doch dann geschah etwas, das vermutlich jeder kennt, der mit Kindern unterwegs ist.

Plötzlich stand da ein Baum.

Und dieser Baum wollte offenbar beklettert werden. Zumindest sah Onno das so. Während ich den Baum einfach als Teil der Landschaft wahrnahm, entdeckte Onno darin sofort ein neues Abenteuer. Der Spaziergang war damit für einen Moment unterbrochen.

Der Baum hatte gewonnen.

Barfuß hoch hinaus

Während ich unten blieb, machte sich Onno auf den Weg nach oben. Je höher er kletterte, desto konzentrierter wurde er. Irgendwann verschwanden sogar die Schuhe. Barfuß ließ sich die Rinde besser spüren und die Füße fanden sicheren Halt auf den Ästen. Von unten beobachtete ich, wie selbstverständlich er sich durch den Baum bewegte. Nicht besonders schnell. Nicht besonders hoch.

Aber mit einer erstaunlichen Ruhe. Während ich aufpasste, erkundete Onno die Welt aus seiner Perspektive – Ast für Ast. Es wirkte fast so, als würde der Baum ihm zeigen, wo der nächste Schritt hingehört.

Die Welt aus luftiger Höhe

Von seinem Platz im Baum hatte Onno einen ganz anderen Blick auf den Wald als ich. Die Wege wirkten kleiner. Die Baumkronen plötzlich näher. Und der Wald sah von dort oben ganz anders aus als vom Boden.

Während ich noch über Wildschweinspuren, Wasserlöcher und Rehpfade nachdachte, beschäftigte ihn längst die nächste Frage:

Was kann man von hier oben alles sehen?

Nach einer Weile kam er wieder herunter und wir setzten unseren Weg fort. Mit einem Picknick im Gepäck, vielen Gesprächen über Tiere und Pflanzen und noch mehr Fragen als zu Beginn wurde aus einem einfachen Spaziergang ein langer Tag voller kleiner Entdeckungen. Es gab kein großes Ziel. Keine besondere Aufgabe. Kein Projekt, das fertig werden musste.

Und vielleicht war genau das das Schöne an diesem Tag.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir kein Werkzeug gebaut, kein Feuer gemacht und kein bestimmtes Ziel erreicht. Stattdessen haben wir gelernt, aufmerksam zu sein. Wer langsam durch den Wald geht, entdeckt plötzlich Spuren, Pflanzen, Tiere und Geschichten, die man sonst leicht übersieht.

Manchmal genügt ein Wasserloch, eine Ameisenstraße oder ein seltsamer Abdruck im Sand, um ein neues Abenteuer zu beginnen. Und manchmal sind es gerade die Tage ohne Plan, die am Ende die schönsten Erinnerungen hinterlassen.

Beim nächsten Abenteuer wollen wir wieder etwas mit den Händen erschaffen. Nach all dem Entdecken und Beobachten wird es Zeit, selbst zum Messer zu greifen. Dann warten die ersten kleinen Schnitzprojekte auf uns.

Ein Stock voller Geschichten

Bevor wir uns an größere Projekte wagten, begann alles mit einem einfachen Haselstock. Mit dem Schnitzmesser entstanden Kerben, Ringe und Muster. Stück für Stück wurde die Rinde entfernt und das Holz darunter sichtbar.

Je länger wir arbeiteten, desto mehr veränderte sich der Stock. Er wurde nicht nur bearbeitet, sondern erzählte plötzlich eine Geschichte. Jede Kerbe erinnerte an einen Schnitt, jede freigelegte Stelle an einen Moment der Aufmerksamkeit.

Aus einem gewöhnlichen Ast wurde etwas Eigenes.

Vom Ast zum Pilz

Vom Ast zum Pilz

Nachdem die ersten Verzierungen in den Haselstock geschnitzt waren, wollte ich mich an ein etwas größeres Projekt wagen. Aus einem Stück Holz sollte ein Pilz entstehen. Zunächst war davon allerdings noch nichts zu erkennen.

Mit jedem Schnitt wurde etwas Holz entfernt, Formen entstanden und langsam begann sich die Idee aus dem Material herauszuarbeiten. Was mich daran faszinierte, war die Ruhe dieser Arbeit. Es gab keinen Zeitdruck und kein festes Ziel, das schnell erreicht werden musste.

Der Pilz entstand Stück für Stück.

Und mit jedem Schnitt wurde deutlicher, wie viel Geduld im Schnitzen steckt. Während aus dem Ast langsam ein Pilz wurde, bemerkte ich gar nicht, wie sehr mich die Arbeit in ihren Bann zog. Das merkte ich erst später.

Zeitblind oder die Zeit verschwindet

Irgendwann passierte etwas, das ich nur zu gut kenne. Die Zeit verschwand. Während ich am Pilz arbeitete, war ich vollkommen in die Aufgabe vertieft. Alles andere rückte in den Hintergrund. Ich bemerkte weder, wie viel Zeit vergangen war, noch was um mich herum geschah.

Jeder Schnitt führte zum nächsten. Jede kleine Verbesserung zog die nächste nach sich. Als ich schließlich aufschaute, war deutlich mehr Zeit vergangen, als ich gedacht hatte. Ein typischer Hyperfokus-Moment. Man beginnt mit einer Idee – und plötzlich ist die Welt um einen herum verschwunden.

Von den Schnitzern und ihren Wegen

Während ich mich ganz auf meinen Pilz konzentrierte, verfolgte Onno seinen eigenen Weg. Auch er hatte versucht zu schnitzen. Doch nicht alles funktionierte so, wie er es sich vorgestellt hatte. Als seine Versuche nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurde er zunächst enttäuscht und legte das Messer beiseite.

Trotzdem gab es etwas, auf das er stolz sein konnte. Es war ihm gelungen, einen Stock anzuspitzen. Vielleicht war das Ergebnis nicht das geworden, was er ursprünglich geplant hatte. Aber es war etwas Eigenes. Und manchmal ist genau das wichtiger.

Wie das Holz zum Messer wurde

Während ich noch an meinem Pilz arbeitete, hatte Onno längst eine neue Idee. Aus zwei Stöcken entstand ein Spiel. Ein stabiler Ast wurde zum Schnitzmesser. und ein morscher Stock wurde bearbeitet.

Plötzlich ging es nicht mehr darum, etwas Bestimmtes herzustellen. Jetzt ging es ums Ausprobieren. Ums Spielen. Ums Erfinden. Mit großer Ernsthaftigkeit schnitzte Onno weiter – nur eben auf seine eigene Art.

Dabei wurde deutlich, dass Fantasie manchmal wichtiger ist als das perfekte Werkzeug. Denn für ein Kind kann ein Stück Holz alles sein. Ein Wanderstock. Ein Schwert. Ein Messer. Oder eben alles gleichzeitig.

Verloren, um zu bleiben

Der angespitzte Stock, auf den Onno so stolz gewesen war, ist inzwischen verschwunden. Irgendwo im Wald, auf einem Weg oder vielleicht an einem unserer Rastplätze blieb er zurück. Früher hätte mich das wahrscheinlich geärgert. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto weniger wichtig erscheint mir der Verlust.

Der Stock ist weg. Die Erinnerung daran nicht. Geblieben sind die Erfahrung, die Freude am Ausprobieren und der Stolz über das, was entstanden ist. Manche Dinge muss man nicht mit nach Hause nehmen, damit sie bleiben.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag haben wir beide geschnitzt. Und doch waren wir auf ganz unterschiedlichen Wegen unterwegs. Während ich mich immer tiefer in mein Projekt vertiefte, ließ Onno seine ursprüngliche Idee los und erfand einfach eine neue. Rückblickend finde ich genau das bemerkenswert.

Ich war stolz auf den fertigen Pilz. Onno war stolz auf seinen angespitzten Stock. Und als dieser verloren ging, blieb trotzdem etwas zurück. Vielleicht geht es beim Schnitzen gar nicht nur darum, was am Ende entsteht.

Vielleicht geht es darum, Zeit mit den eigenen Händen zu verbringen, Ideen auszuprobieren und herauszufinden, was aus einem Stück Holz alles werden kann.

Mit dem Pilz war meine Begeisterung für das Arbeiten mit frischem Holz endgültig geweckt. Während unser gemeinsames Wildnisprojekt langsam seinem Ende entgegenzugehen schien, begann für mich bereits ein neues Abenteuer. Und dieses Mal würde ich mich allein auf den Weg machen.

Die Insel der Holzverrückten

Eigentlich hatte dieses Abenteuer schon begonnen, bevor unser gemeinsames Wildnisprojekt langsam seinem Ende entgegenging. Während Onno andere Dinge beschäftigten, zog es mich immer häufiger zu meinem eigenen Projekt.

Für die letzten Wochen des Wildniskurses trafen wir uns auf Hermannswerder. Gemeinsam mit Laura, Eddy und Amelie arbeiteten wir an unseren Greenwoodworking-Projekten. Unterstützt wurden wir dabei von unseren Mentoren André und Gudrun.

Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, dass wir alle von derselben Begeisterung angesteckt waren. Überall wurde gesägt, geschnitzt, gehobelt, gespalten und ausprobiert. Es war ein wenig wie eine Insel voller Holzverrückter.

Und ich gehörte eindeutig dazu.

Späne oder Furnierblätter

Mein erstes Projekt war ein Frühstücksbrettchen. Dafür saß ich auf einem Shave Horse und bearbeitete das Holz mit dem Zieheisen. Mit jedem Zug lösten sich zum Teile lange, dünne Holzspäne vom Werkstück. Manche waren so gleichmäßig, dass sie eher an Furnierblätter als an Späne erinnerten.

Je länger ich arbeitete, desto mehr Freude machte es mir. Das Holz reagierte auf jede Bewegung, jede Veränderung des Werkzeugs und jede kleine Korrektur.

Es war faszinierend zu erleben, wie aus einem einfachen Stück Holz langsam etwas Brauchbares entstand.

Die Letzte wird die Erste sein

Als wir mit dem Brettchen begannen, war ich die Letzte, die überhaupt anfing. Die anderen waren längst bei der Arbeit, während ich noch überlegte, wie ich starten sollte. Doch irgendwann fand ich meinen Rhythmus. Zug um Zug verschwand überschüssiges Holz.

Plötzlich ging alles erstaunlich schnell. Am Ende war ich nicht nur zufrieden mit dem Ergebnis, sondern auch die Erste, die ihr Brettchen fertiggestellt hatte.

Die Reaktionen der anderen machten mich ein wenig stolz. Offenbar hatte ich mit dem Zieheisen ein Talent entdeckt, von dem ich selbst noch nichts wusste.

Die Säge klappt noch nicht

Während ich mein Brettchen fertigstellte, arbeiteten Laura und Eddy bereits an einem deutlich größeren Projekt. Sie bauten eine klappbare Säge. Die Idee begeisterte mich sofort. Natürlich wollte ich ebenfalls eine bauen. Also begann ich mein eigenes Sägenprojekt.

Doch anders als beim Brettchen stellte sich hier schnell heraus, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen. Die wenigen Treffen auf Hermannswerder reichten nicht aus, um die Säge fertigzustellen. Dann wurde ich krank und die Arbeit musste unterbrochen werden.

Bis heute ist die Säge noch nicht fertig. Und genau deshalb passt die Überschrift so gut. Die Säge klappt noch nicht. Weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinn. Vielleicht wird sie in der Werkwoche fertig. Vielleicht braucht sie noch etwas länger. Manche Projekte haben eben ihr eigenes Tempo.

Die Bärengeschichte

Zwischen all den anderen Projekten gab es noch eines, das mir besonders am Herzen liegt. Einen kleinen Bären. Eigentlich begann seine Geschichte schon lange zuvor. Als ich in Schweden war, wünschte sich Onno einen geschnitzten Bären. Seitdem begleitet mich dieses Projekt. Und seitdem scheitere ich regelmäßig daran. Mal war das Holz zu hart. Mal stimmten die Proportionen nicht. Mal gefiel mir die angefange Arbeit einfach nicht.

Mehr als einmal habe ich von vorne begonnen. Trotzdem gebe ich nicht auf. Vielleicht gerade deshalb. Denn inzwischen geht es längst nicht mehr nur um einen geschnitzten Bären. Es geht um eine Idee, die immer wieder zurückkehrt. Und um den Wunsch, sie irgendwann Wirklichkeit werden zu lassen.

Das Me(e)hr an Ideen ohne Zeit

Neben dem Brettchen, der Säge und dem Bären entstand in dieser Zeit auch noch eine kleine Holzklammer. Eigentlich hätte das reichen können.

Doch genau dort beginnt mein Problem.

Kaum ist ein Projekt gestartet, tauchen schon die nächsten Ideen auf. Plötzlich denke ich an Weihnachtsgeschenke. An kleine Schneemänner. An weitere Schnitzprojekte. An Dinge, die ich unbedingt ausprobieren möchte.

Manchmal fühlen sich diese Ideen an wie Seifenblasen. Sie tauchen plötzlich auf, schimmern in allen Farben und schweben durch meinen Kopf. Einige kann man einfach beobachten und weiterziehen lassen. Andere möchte man unbedingt festhalten, einfangen und für später aufbewahren. Doch kaum greift man nach ihnen, zerplatzen sie und sidn einfach weg, ohne Nachklang.

Und dann gibt es die wenigen besonderen Ideen. Sie landen ganz sanft. Bleiben liegen. Und begleiten einen über Wochen, Monate oder manchmal sogar Jahre.
Vielleicht gehört der Bär zu diesen Ideen. Vielleicht auch die Säge. Vielleicht wartet irgendwo schon die nächste Seifenblase darauf, entdeckt zu werden. Das Schwierige ist nicht, neue Ideen zu finden. Das Schwierige ist herauszufinden, welche bleiben dürfen.

Erkenntnis des Tages

An diesem Tag habe ich gelernt, dass nicht jedes Projekt fertig werden muss, um wichtig zu sein. Das Frühstücksbrettchen wurde fertig. Die Säge nicht. Der Bär wartet noch immer auf seine endgültige Form. Und trotzdem waren alle drei Projekte wertvoll.

Sie haben mir gezeigt, wie viel Freude es macht, mit den Händen zu arbeiten, Neues auszuprobieren und dabei immer wieder dazuzulernen. Manchmal besteht Erfolg nicht darin, etwas abzuschließen. Manchmal besteht Erfolg darin, dranzubleiben.

Als wir mit unserem Wildnisprojekt begonnen haben, wollte ich herausfinden, wie man Kinder für die Natur begeistern kann. Heute glaube ich, dass ich dabei mindestens genauso viel gelernt habe wie Onno. Nicht nur über Natur. Sondern auch über mich selbst. Oft hatte ich einen Plan. Ich wollte etwas zeigen, erklären oder gemeinsam erreichen. Dabei achtete ich auf Sicherheit, bereitete Dinge vor und übernahm manches selbst, damit nichts passiert. Manchmal dauerte mir etwas zu lange. Manchmal wurde ich ungeduldig. Und manchmal war ich sogar frustriert, wenn Onno plötzlich etwas ganz anderes machte als geplant.

Erst beim Schreiben dieses Blogs wurde mir klar, dass ich viele dieser Situationen damals anders bewertet habe als heute. Was ich für Ablenkung hielt, war manchmal Neugier. Was ich für Unsinn hielt, war manchmal Kreativität. Und was ich als Abweichen vom Weg empfand, war oft einfach nur ein anderer Weg. Ich habe gelernt, genauer hinzuschauen. Mehr auszuhalten. Weniger zu lenken. Und Kindern zuzutrauen, eigene Lösungen zu finden.

Für meine zukünftige Arbeit als Erzieherin nehme ich deshalb eine wichtige Erkenntnis mit: Nicht jede Planänderung ist ein Problem. Manchmal beginnt genau dort das eigentliche Lernen. Kinder müssen nicht immer unseren Wegen folgen. Manchmal lohnt es sich, stehen zu bleiben und zu schauen, wohin ihr Weg führt.

Ein sechsjähriger Junge hat mich daran erinnert.


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Kommentare

Eine Antwort zu „Survival of the Fittest“

  1. Avatar von admin

    Gibt es auch Bilder zur euren Erfahrungen?

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