
Warum das Ganze ?
Als ich auf der Suche nach einer guten Idee für ein Projekt war, habe ich mir schnell die Frage gestellt: Wie kann ich nachhaltig meinem gesamten Umfeld etwas Gutes tun und auf welchen Ebenen ist das möglich? Da gäbe es einmal die optische Ebene, die wohl eher den Menschen in meinem Umfeld zu gute kommt. Also beispielsweise eine Verschönerung der unmittelbaren Umwelt der Menschen. Hinzu kommt die funktionale Ebene, die sowohl den Menschen als auch Tieren und Insekten zugute kommen kann. Im Zuge dessen habe ich darüber nachgedacht, wie man diese beiden Faktoren kombinieren kann, um einen positiven Effekt zu meiner direkten Umgeben beitragen zu können. Und da sind mir die Bienen eingefallen.
Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.
Albert Einstein
Durch den Bauboom Anfang der 2000er Jahre in Potsdam wird die Natur und somit Lebensräume für Pflanzen und Tiere immer mehr aus der Stadt verbannt. Grünflächen und sogar Teile der Parks müssen für große Bauprojekte oder Ideen der Initiative Mitteschön weichen. Somit wird die optische Ebene und die funktionale Ebene nur für die Menschen bedient und Tiere, Pflanzen und Insekten werden außen vor gelassen. Also liegt es an uns Menschen, neue Schutz- und Lebensräume für diese bedrohten Tiere zu schaffen, darunter vor allem die Bienen. Denn ohne sie kann nichts leben und nichts blühen.
Also werde ich es mir zu Aufgabe machen, neue Lebensräume für Bienen in unserer Stadt zu schaffen. Wie ich das machen werde, ist eigentlich schnell erklärt, denn es ist einfacher als man vielleicht denkt. Es fängt damit an, heimische Blumen auszusäen und wo das passiert, ist eigentlich nebensächlich. Ob im Hinterhof eines Wohnhauses, auf dem eigenen Balkon oder dem Balkon der Nachbarn, im Schrebergarten der Eltern, in der eigenen Einrichtung, im Außenbereich des Stammkaffees oder am Grünstreifen der Bürgersteige. Und damit ist das Projekt auch schon erklärt.
In den kommenden Wochen werde ich Schritt für Schritt, Ort für Ort versuchen Nektar-Tankstellen für Bienen und Hummeln zu schaffen und anschließen zu dokumentieren, wie diese wachsen und von den Bienen und Hummeln angenommen werden.
Ich wünsche euch beim erforschen dieses Blogs viel Freude und hoffe, die ein oder andere Person fühlt sich inspiriert
Tag 1 – Sortieren
Heute ging es das erste Mal an die Arbeit. Ich hab den Tag genutzt, um Samen für circa 100 Quadratmeter Wildblumenwiese zu bestellen und mir einen Plan zu machen, wo ich meine Ideen aus dem Brainstorming umsetzen kann. Ich habe mit Freunden und Bekannten telefoniert und habe Läden, Cafés und Parks angesteuert. Viele Leute haben mir bereits Zusagen erteilt.
Außerdem habe ich eine Materialliste gemacht mit Dingen, die ich noch alle brauche, um das Projekt umsetzen zu können.
- Blumenkästen
- Blumenerde/Muttererde
- Schaufel und Hacken
Für heute war es das. Ich bin gespannt wo es in den nächsten Wochen hin gehen wird.
Tag 2 – Anpacken
Heute geht es bei mir ans Eingemachte. Gestern Abend sind meine Wilblumensamen angekommen und diese wollen natürlich so schnell es geht in die Erde. Also werde ich heute zum Baumarkt fahren und Blumenkästen, sowie Blumenerde und etwas mehr Saatgut kaufen. Anschließend will ich das ganze noch einpflanzen.

Nach dem Baumarkt:
Der Besuch im Baumarkt war ein voller Erfolg, auch wenn es zum Anfang gleich mal mit einem Dämpfer los ging. Ich wollte unbedingt Blumenkästen mit abzugslöchern kaufen um sicher zu stellen, dass in den Kästen keinen Fäule einsetzt. Die Blumenkästen mit abzugslöchern kosteten allerdings mindestens 10€ und sprengten damit mein Budget. Also entschied ich mich einige Kästen ohne Löcher für 3€ das Stück zu kaufen und die Löcher anschließend selbst zu bohren. Außer den Blumenkästen habe ich im Baumarkt auch noch Samen für Bohnen, Erbsen, Kapuzinerkresse und einige Blumen sowie Saatbomben gekauft.


Zuhause angekommen machte ich mich gleich ans Löcher bohren und Einpflanzen. Das war auf meinem ohnehin schon völlig zugewucherten Balkon gar nicht so einfach. Es fehlte einfach der Platz sich richtig auszubreiten aber am Ende hab ich es doch geschafft alle 5 Kästen zu befüllen und anschließend auszusähen.


Für heute war es das und ich bin voller Vorfreude meinen Pflänzchen beim wachsen zuzusehen und für euch zu dokumentieren.
Tag 3 – Kleine Hände helfen
Heute war ich bei mir in der Einrichtung und habe mit den Kindern zwei kleine Beete für Wildblumen angelegt. Es hat mir große Freude gemacht die Kinder so vertieft in die Arbeit zu sehen. Sie waren sehr interessiert an der Biene und konnten selber schon mit viel wissen glänzen. Der Tauwurm den wir beim umgraben gefunden haben blieb dann allerdings doch die Attraktion des Tages. Nach dem wir umgegraben, gesäht, gegossen und geschmückt hatten, bastelten wir noch ein kleines Schild, damit alle sehen können wofür die Beete sind und vielleicht auch motiviert werden selber mal so etwas auszuprobieren.






Tag 4 – Vortschritte?
Ich schau dem Gras beim Wachsen zu, nein ich kann jetzt nicht ans Telefon gehen siehst du doch ich hab zu tun
Paul Würdig
Heute war für mich wenig zu tun, außer mich wie jeden Tag um die Pflanzen zu kümmern. Es ist wirklich Wahnsinn wie schnell die Samen aus den Kästen sprießen. Bereits nach drei bis vier Tagen waren erste Keimlinge zu sehen die nun nach fast zwei Wochen schon sehr ansehnlich sind.




Bei manchen Kästen ist schon mehr rausgekommen bei anderen weniger. Ein guter Anfang ist es allemal. Auch die zwei kleinen Beete bei mir im Hort haben vielversprechende Ansätze.


Zumindest hier und da kommt schon etwas raus. Besser als gar nichts denke ich mir da. Ich bin gespannt womit ich hier in den nächsten Wochen rechnen kann.
Tag 5 – verteilen ?
Die Blumen und die anderen Saaten sind mittlerweile so gut gewachsen, dass ich beschlossen habe bereits heute einen Kasten zu vergeben. Der erste Kasten kommt zu Nick und Nina einem verheirateten jungen Pärchen aus meinem Wohngebiet. Ich habe sie auf der Straße angesprochen und ihnen von meinem Projekt erzählt. Sie waren gleich bereit mich zu unterstützen und fanden die Idee super unsere Gegend, die nunmal zum Großteil aus grauen Plattenbauten besteht etwas grüner zu machen.

Zuhause setzte ich mich noch an eine kleine Skizze für einen Infozettel. Diese Zettel will ich an die Kästen kleben, die ich in der Öffentlichkeit verteile, also an die Kästen die für Cafés, Restaurants und Bars gedacht sind. Auf den Zetteln wird eine Anleitung zum selber machen sein. Außerdem sollen darauf einige Infos stehen, warum es wichtig ist die Stadt für Bienen zu begrünen. Wenn dieser fertig ist werde ich auch hier im Blog ein Bild davon hochladen. Nächste Woche geht es mit dem verteilen weiter und für heute ist Schluss.
Tag 6 – Blumen für das Kinderhaus
Heute ging meine Verteiltour weiter. Um 10:30 hatte ich einen Termin im Montessori Kinderhaus in Potsdam. Dort angekommen wurde ich bereits von den Kindern und zwei Erzieherinnen erwartet. Wir suchten gemeinsam mit den Kindern nach einem geeigneten Platz für den Kasten und stellten ihn dort gemeinsam ab. Ich erklärte den Kindern einiges über mein Projekt und warum Bienen so wichtig für uns Menschen sind. Die meisten Kinder waren sehr fasziniert. Gemeinsam mit einem Erzieher bastelte ich noch eine Rankelhilfe aus Bambus, damit die Bohnen auch schön hoch wachsen können. Da ich natürlich keine Fotos von den Kindern machen durfte konnte ich diesen schönen Prozess leider nicht dokumentieren.

Tag 7 – letzte Handgriffe
Heute ist mein letzter Projekttag. Ich werde die letzten drei Blumenkästen verteilen und freue mich wirklich wahnsinnig sie auszuliefern, da einer für mein Lieblingskaffee das 11line vorgesehen ist und die leute dort Kleinigkeiten für sie Seele sehr Wertschätzen. Der Tag startete aber erst mal mit einem Rückschlag. Ich hate etwa 30 Stunden nicht gegossen und einer der letzten übrigen Kästen hatte die Sonne nicht vertragen. Die Blumen waren völlig Welk und wirklich nicht mehr zu retten. Einfach sehr schade drum. Aber naja Kopf hoch und weiter machen. Wenigsten zwei Kästen haben es ja noch überlebt und so machte ich mich mit zwei Blumenkästen auf meinem Fahrradkorb, bei 30 Grad, Richtung Innenstadt auf den Weg

Ach ja ganz vergessen, die Anleitung zum selber machen ist jetzt natürlich auch dran, da der Kasten ja in der Öffentlichkeit, können sich die Leute nun das selber machen abgucken und mithelfen ihre statt etwas bienfreundlicher zu machen


Den letzten Kasten wollte ich eigentlich dem Verschenkeladen Madia in der Lindenstraße geben, mit denen ich eigentlich auch schon alles vereinbart hatte. Die waren dann allerdings nicht da als ich zur vereinbarten Zeit vorbei kam und auch in der halben Stunde wo ich wartete kam keiner. Schön blöd aber wenn sie nicht auftauchen, dann hätten sie den Kasten wohl ohnehin nur aus Höflichkeit genommen. Also Entschied ich mich den Kasten meiner besten Freundin Lola zu schenken, die einen grünen Daumen Daumen und eine Grüne Wohnung hat 😉 und eh schon vorangemeldet war, falls doch einer übrig bleiben sollte. Die Übergabe bei ihr in der Wohnung war sehr schön und sie freute sich riesig

Fazit
Das wars jetzt also mit dem Projekt. Auf jeden Fall war es mal eine schöne Erfahrung und ich habe im Laufe des Prozesses festgestellt, dass mir das Thema auch wirklich wichtig ist. Da war ich mir am Anfang nämlich gar nicht so sicher. Abschließen lässt sich sagen, dass ich mir auf jeden Fall hätte mehr vornehmen sollen um wirklich einen kleinen Effekt auf unserer Stadt haben zu können. So war es auf jeden Fall nicht mal ein Tropfen auf dem heißen Stein sondern eher ein Tropfen ins brennende Haus. Aber das sind ja Dinge aus denen man lernt und die man beim nächsten mal besser macht. Ganz unsonst war es auf keinen Fall und ich muss dabei auch an mein Budget und meine räumlichen Möglichkeiten denken. Ich hoffe trotzdem, dass die Blumenkästen und Blumenwiesen, den Bienen dieses Jahr einen guten Dienst erweisen und eine Oase für die Tierchen darstellen
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